Mit dem Wohnwagen durch Europa: Unsere Erfahrungen nach über 20.000 Kilometern

Mit dem Wohnwagen durch Europa zu reisen klingt mit einem großen Gespann zunächst nach einer Herausforderung. Unser Wohnwagen ist über acht Meter lang, zusammen mit unserem Zugfahrzeug kommen wir auf fast 16 Meter Gesamtlänge.

Inzwischen sind wir damit weit über 20.000 Kilometer durch Europa gefahren. Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, die Schweiz, Andorra, England und Schottland sind nur einige der Länder, in denen wir unterwegs waren.

Und wenn wir heute auf all diese Kilometer zurückblicken, ist eine unserer wichtigsten Erkenntnisse erstaunlich einfach:

Die Größe unseres Gespanns war viel seltener ein Problem, als wir ursprünglich gedacht hatten.

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Muss man vor einem großen Wohnwagen Respekt haben?

Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht.

Gerade vor unserer Reise durch England und Schottland waren wir gespannt, wie das mit einem fast 16 Meter langen Gespann, teilweise schmaleren Straßen und zusätzlich dem Linksverkehr funktionieren würde.

Am Ende war auch das überhaupt kein Problem.

Mittlerweile sehen wir es ziemlich pragmatisch: Überall in Europa sind große Wohnwagengespanne und riesige vollintegrierte Wohnmobile unterwegs. Wenn diese Fahrzeuge dort fahren können, warum sollte es mit unserem Gespann grundsätzlich nicht funktionieren?

Das bedeutet nicht, dass jede Straße für jedes Gespann geeignet ist. Aber wir mussten in all den Jahren tatsächlich nur ein einziges Mal wegen unserer Länge umdrehen.

Einmal waren unsere fast 16 Meter tatsächlich zu lang

Diese Situation ist uns allerdings im Gedächtnis geblieben.

Wir näherten uns einer Brücke und hatten intuitiv schon das Gefühl, dass dort etwas nicht stimmen könnte. Erst am Ende der Brücke konnten wir ein Schild erkennen, das die maximale Zuglänge auf zwölf Meter begrenzte.

Unser Gespann ist fast 16 Meter lang.

Also blieb nur: umdrehen und eine andere Strecke nehmen.

Abgesehen von diesem einen Erlebnis hatten wir bisher keine Situation, in der wir eine Straße wegen Länge, Breite oder Gewicht unseres Gespanns grundsätzlich nicht fahren konnten.

Trotzdem schauen wir bei ungewöhnlichen Strecken inzwischen lieber einmal genauer hin.

Unsere Navigation: Magic Earth und Google Maps gleichzeitig

Die perfekte Navigationslösung für einen großen Wohnwagen haben wir bis heute nicht gefunden.

Deshalb nutzen wir häufig Magic Earth und Google Maps parallel.

Bei Magic Earth können Fahrzeugdaten wie Länge, Breite, Höhe und Gewicht berücksichtigt werden. Für uns ist außerdem hilfreich, dass sich die Reisegeschwindigkeit berücksichtigen lässt. Dadurch lässt sich die tatsächliche Fahrzeit mit dem Gespann realistischer einschätzen.

Google Maps hat für uns eine andere Stärke: Die aktuelle Verkehrslage, Staus und Straßensperrungen sind nach unserer Erfahrung häufig besser beziehungsweise aktueller dargestellt.

Deshalb kombinieren wir beide.

Google Maps hilft uns bei der aktuellen Verkehrslage, Magic Earth stärker bei der für unser Gespann geeigneten Route.

Perfekt ist auch diese Kombination nicht. Für uns funktioniert sie bislang aber am besten.

Wir fahren lieber kürzere Etappen – aber ohne feste Regeln

Wenn es möglich ist, fahren wir zwischen zwei Campingplätzen gerne nur etwa anderthalb bis drei Stunden.

Dann besteht der Reisetag nicht ausschließlich aus Autofahren und vom Tag bleibt noch genügend übrig.

Aber auch daraus machen wir keine feste Regel.

Wenn uns unterwegs kein Platz zusagt, das Wetter ohnehin schlecht ist oder wir einfach Strecke machen möchten, fahren wir genauso vier, fünf oder sechs Stunden.

Unsere Reisen sollen sich nicht einem vorher festgelegten Zeitplan unterordnen.

Wir planen nur die grobe Route

Unsere grobe Tour planen wir meistens mit Freeontour.

Danach suchen wir entlang der Strecke nach Campingplätzen, die von der Lage her interessant sind.

Wenn ein Campingplatz eine eigene Website hat, schauen wir uns diese an. Zusätzlich lesen wir Bewertungen und Erfahrungen anderer Reisender. Und wenn Freunde oder Bekannte einen Platz persönlich kennen und empfehlen können, ist das für uns natürlich besonders wertvoll.

Dabei ist für uns die Lage eines Campingplatzes wichtiger als möglichst viel Luxus.

Ein einfacher, sauberer Platz in einer interessanten Umgebung ist uns lieber als eine perfekt ausgestattete Ferienanlage, von der aus wir kaum etwas unternehmen können.

Der Campingplatz ist für uns meistens die Basis, von der aus wir eine Region entdecken.

Mit großem Wohnwagen vorher kurz anrufen

Bei unserem Wohnwagen spielt natürlich die Größe der Parzelle eine Rolle.

Wenn wir uns nicht sicher sind, rufen wir deshalb vorher beim Campingplatz an und erklären, mit welchem Gespann wir kommen.

Das erspart Überraschungen.

Dabei haben wir in verschiedenen Ländern durchaus unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

In England und Schottland haben wir viele Plätze erlebt, auf denen große Wohnwagen und Wohnmobile überhaupt kein Problem waren. Teilweise gab es nicht einmal die bei uns gewohnten kleinen, klar abgegrenzten Parzellen.

In Portugal haben wir dagegen auch Campingplätze erlebt, auf denen es für unser Gespann wirklich eng wurde.

Wenn plötzlich der ganze Campingplatz mithilft

Eine Situation in Portugal werden wir vermutlich nie vergessen.

Auf einem Campingplatz war es mit unserem großen Wohnwagen so eng, dass wir mit unserem Marco Polo als Zugfahrzeug keine Chance hatten, den Wohnwagen bis auf die Parzelle zu bringen.

Also haben wir abgehängt und den Mover benutzt.

Und dann passierte etwas, das für uns Camping ebenfalls ausmacht:

Der Betreiber und mehrere andere Gäste halfen spontan mit. Äste und flexible Zaunelemente wurden zur Seite gedrückt, damit wir mit dem Wohnwagen durchkamen.

Am Ende stand er dort, wo er hin sollte.

Solche Erlebnisse bleiben bei uns stärker hängen als die Tatsache, dass es vorher ein bisschen eng war.

Gerade bei unserem Tandemachser gehört der Mover deshalb zu den Dingen, auf die wir nicht mehr verzichten möchten. Mehr darüber haben wir in unserer Wohnwagen-Ausstattung⁠ geschrieben.

Nicht die ganze Reise im Voraus buchen

Wenn wir eine längere Tour planen, buchen wir normalerweise nur das, was wirklich feststehen muss.

Am Anfang sind das häufig die ersten ein oder zwei Campingplätze.

Zum Ende einer Reise buchen wir ebenfalls die letzten ein oder zwei Stationen, wenn wir beispielsweise eine Fähre erreichen oder zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein müssen.

Alles dazwischen halten wir möglichst offen.

Denn unterwegs passiert ständig etwas, das man am Schreibtisch nicht planen kann.

Ein Campingplatz gefällt uns viel besser als erwartet. Dann bleiben wir länger.

Ein anderer Platz enttäuscht uns. Dann fahren wir früher weiter.

Das Wetter ändert sich. Ein Platz ist ausgebucht. Oder wir entdecken eine Region, die wir vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatten.

Wer jede Nacht einer drei- oder vierwöchigen Reise bereits vorher fest bucht, nimmt sich genau diese Freiheit.

Für unsere Art zu reisen gilt deshalb:

So viel planen wie nötig – und so wenig wie möglich.

Manchmal bleiben wir länger – manchmal fahren wir früher

Wie lange wir tatsächlich auf einem Campingplatz bleiben, entscheiden wir deshalb häufig erst vor Ort.

Sauberkeit spielt dabei eine Rolle. Ebenso die Entfernung zu den Sanitäranlagen, freundliche Betreiber und Nachbarn, Ruhe auf dem Platz und natürlich das Wetter.

Auch laute Daueranimation kann für uns ein Grund sein, früher weiterzufahren.

Umgekehrt haben wir schon Plätze erlebt, die eigentlich nur als Zwischenstation gedacht waren und uns dann so gut gefallen haben, dass wir länger geblieben sind.

Genau diese Freiheit ist für uns inzwischen ein wichtiger Teil des Reisens mit dem Wohnwagen.

Mehr darüber, was für uns beim Reisen als Familie wichtig geworden ist, findet ihr auch in Camping mit Kindern⁠.

Fähren mit fast 16 Metern Gespann

Auch vor Fähren muss man sich aus unserer Erfahrung nicht abschrecken lassen.

Wir sind mehrfach zwischen Mallorca und dem spanischen Festland gefahren und waren mit unserem Gespann auch zwischen Calais und Dover unterwegs.

Vor den ersten Fahrten hatte ich durchaus Respekt davor – zumal ich damals selbst kaum Erfahrung mit einem so großen Gespann hatte.

In der Praxis hat es jedes Mal problemlos funktioniert.

Beim Auffahren, Rangieren und Abstellen war immer ausreichend Platz vorhanden.

Natürlich können sich Fähren und Bedingungen unterscheiden. Unsere persönliche Erfahrung nach vielen Überfahrten ist aber eindeutig: Die Fähre war bisher einer der unkompliziertesten Teile unserer Reisen.

Grenzen und Maut waren ebenfalls unkompliziert

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viele Landesgrenzen überquert und dabei mit unserem Wohnwagen nie Schwierigkeiten gehabt.

Gerade innerhalb der EU bekommt man von vielen Grenzübertritten im normalen Reisealltag kaum etwas mit.

Für die Maut nutzen wir unter anderem Tollbird. Ein elektronischer Transponder im Fahrzeug erfasst auf unterstützten mautpflichtigen Strecken die Gebühren automatisch.

Das macht insbesondere längere Fahrten durch Frankreich für uns angenehm.

Eine unerwartete Erfahrung machten wir dagegen in England.

Dort gibt es Straßen, Tunnel oder Brücken, bei denen Gebühren teilweise nachträglich online bezahlt werden müssen. Einen entsprechenden Hinweis haben wir einmal übersehen – und mussten anschließend eine Strafe bezahlen.

Mit dem Wohnwagen hatte das allerdings nichts zu tun. Das wäre uns mit einem normalen Pkw genauso passiert.

Für eine Nacht muss es nicht immer ein Campingplatz sein

Auf langen Strecken haben wir auch schon Stellplätze genutzt oder eine Nacht auf einem normalen Parkplatz verbracht.

Wenn wir dort übernachten, bedeutet das für uns tatsächlich nur stehen und schlafen.

Wir stellen keine Campingmöbel heraus, bauen keine Markise auf und machen aus einem Parkplatz keinen Campingplatz.

Ob und unter welchen Voraussetzungen eine Übernachtung erlaubt ist, hängt allerdings vom jeweiligen Land und teilweise sogar von regionalen oder kommunalen Vorschriften ab. Deshalb sollte man die Regeln für den konkreten Ort immer vorher prüfen.

Beim Thema Sicherheit sind wir vorsichtiger geworden

Unsere Einstellung zu unbewachten Plätzen hat sich durch eigene Erfahrungen verändert.

In Valencia wurde in unseren unbeaufsichtigten Wohnwagen eingebrochen. In Barcelona wurde unser abgestelltes Auto aufgebrochen.

Seitdem sind wir insbesondere in Spanien, Portugal und Südfrankreich deutlich vorsichtiger.

Dort würden wir heute weder frei übernachten noch Wohnwagen oder Auto längere Zeit unbeaufsichtigt an einem ungesicherten Ort zurücklassen. Wir bevorzugen dort bewachte beziehungsweise kontrollierte Camping- oder Stellplätze.

Das ist ausdrücklich unsere persönliche Konsequenz aus unseren Erlebnissen und keine pauschale Bewertung dieser Regionen.

Autarkie ist für uns ein Backup

Wir haben unseren Wohnwagen so ausgestattet, dass wir auch unabhängig von einem Campingplatz zurechtkommen.

Das bedeutet für uns aber nicht, dass wir eine Woche irgendwo autark stehen möchten.

Es geht vielmehr um Freiheit.

Wenn der nächste Campingplatz weiter entfernt ist als gedacht, wir später ankommen oder es für eine einzige Nacht keinen Sinn ergibt, noch einen Campingplatz anzufahren, möchten wir trotzdem problemlos übernachten können.

Solar, Batterie beziehungsweise Powerstation und eine funktionierende Wasserversorgung sind für uns deshalb in erster Linie ein Backup.

Wie wir das bei unserem Wohnwagen gelöst haben, erklären wir ausführlicher in Camping Stromversorgung⁠.

Mit dem Wohnwagen durch Europa wird man mit jedem Kilometer gelassener

Inzwischen sind wir mit unserem Gespann weit über 20.000 Kilometer durch Europa gefahren.

Natürlich sammelt man dabei Erfahrungen.

Aber vielleicht ist die größte Veränderung gar nicht technischer Natur.

Wir sind einfach gelassener geworden.

Wir wissen heute, dass wir nicht jede Situation vorher planen müssen. Wir kennen unser Gespann besser und wissen, was funktioniert. Und wenn unterwegs etwas anders läuft als gedacht, finden wir meistens eine Lösung.

Unsere grobe Richtung steht vor einer Reise fest.

Alles andere darf sich unterwegs ergeben.

Mit dem Wohnwagen durch Europa – würden wir es wieder machen?

Ohne zu zögern.

Ein großer Wohnwagen schränkt uns beim Reisen durch Europa deutlich weniger ein, als wir vor unseren ersten Touren gedacht hätten.

Natürlich muss man auf Fahrzeugmaße achten. Natürlich gibt es enge Campingplätze. Und natürlich läuft nicht jede Reise exakt so, wie man sie geplant hat.

Aber genau das ist für uns inzwischen ein Teil davon.

Wir planen die wichtigen Eckpunkte, fahren los und lassen uns dazwischen genügend Freiheit.

Nach mehr als 20.000 Kilometern mit unserem Gespann ist das vielleicht unser wichtigster Tipp für alle, die ihre erste große Reise planen:

Macht es nicht komplizierter, als es ist. Plant die Dinge, die wirklich feststehen müssen – und lasst unterwegs genügend Platz für alles, was ihr vorher noch gar nicht planen könnt.

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